Projekte - Saniert ist noch lange nicht saniert oder die Geschichte einer falschen Beschichtung -

  • Bild: Instandsetzung eines Einzeldenkmals - Detail Schmuckgiebel
  • Bild: Restaurierung eines geschnitzten Eckerkers
  • Bild: Instandsetzung eines neogotischen Sandsteineckbaus

Projektbilder

  • Bild: Instandsetzung eines Einzeldenkmals - Detail SchmuckgiebelInstandsetzung eines Einzeldenkmals - Detail Schmuckgiebel
  • Bild: Restaurierung eines geschnitzten EckerkersRestaurierung eines geschnitzten Eckerkers
  • Bild: Instandsetzung eines neogotischen SandsteineckbausInstandsetzung eines neogotischen Sandsteineckbaus
  • Bild: Ansicht NordAnsicht Nord
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  • Bild: Ansicht SüdAnsicht Süd
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  • Bild: DachlandschaftDachlandschaft
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Saniert ist noch lange nicht saniert oder die Geschichte einer falschen Beschichtung

090 - Planungs- und Ausführungszeit 2012 - 2013, Nürnberg

Diesem Instandsetzungsauftrag des Einzeldenkmals Frommannstraße 17 in Nürnberg, einem neogotischen prächtigen Sandsteineckbau, ging eine Begutachtung voran, die explizit eine Sichtbegutachtung von der Straße aus sein sollte. Nach Beratung durch unser Büro wurden Hubsteigersondierungen und Bauteilöffnungen durchgeführt. Das Ergebnis war erschreckend, denn das Ende der 90er Jahre mit einem Preis versehene sanierte Gebäude hatte schwerwiegende Schäden in den Dach- und Flaschnerarbeiten sowie auch in den Holz- und Beschichtungsarbeiten aufzuweisen.

Unsere Arbeit konzentrierte sich auf die maßliche und technische Bestandsaufnahme und auf die Entwicklung eines Instandsetzungskonzeptes für die Dachflächen, hier insbesondere in Verbindung zwischen Kupfer, Sandstein und Mauerwerk. Des Weiteren die Instandsetzung von Sichtverfugungen sowie die Beseitigung von Mängeln, die bei der Abnahme Ende der 90er Jahre übersehen wurden und die mittlerweile zu Schäden an der Konstruktion geführt haben.

Hervorheben möchte ich die Restaurierung eines geschnitzten Eckerkers, wo auch durch die Instandsetzungsarbeiten der 90er Jahre wesentliche Charakteristika eines Beschichtungsaufbaus für Holzarbeiten nicht beachtet worden sind. Das Ergebnis waren unwiederbringbare Zerstörungen historischer Schnitztechniken, nur verursacht durch falsche Blechanschlüsse und falschen Beschichtungsaufbau der damals beauftragten Malerfirma.

Die Eigentümer erkannten das Problem und haben richtungsweisend hier eine Entscheidung getroffen; eine labortechnische Untersuchung des Beschichtungsaufbaus und ein damit von uns entwickeltes Sanierungskonzept durchführen zu lassen. Die Maßnahmen wurden in der vorgegebenen Zeit und im Budgetrahmen von uns geplant, ausgeschrieben und abgewickelt.

Wir bedanken uns für den Auftrag und für die Zuarbeit bei Moritz Lipfert, der am Anfang noch nicht ganz einsehen konnte, warum man digitale Bestandspläne von Baudenkmälern für Sanierungskonzepte durchführt. Aber er ist jung und wir konnten gemeinsam das Projekt mit Erfolg zu Ende führen.

Skizzen & Grundrisse

  • Ansicht Nord
  • Ansicht Ost
  • Ansicht Süd
  • Ansicht West
  • Dachlandschaft
  • Grundriss Dachgeschoss

Daten & Fakten

Leistungsschwerpunkt
Instandsetzungen / Bauwerksanalyse + Untersuchung
Ihr Geschmack
Historisch
Gebäudetyp
Mehrfamilienhäuser
Bruttobaukosten
75.000- 250.000 €
Nutzfläche
1000- 5000 m²
Gebäudealter
1880- 1910
Energetische Versorgung
Gaszentral-/Brennwerttechnik, Kachelofen/Kamin
Leistungsumfang
Lph 1-8 HOAI
Konstruktionsart des Entwurfs
historische Massivkonstruktion
Planungs- und Bauzeit
1-1,5 Jahre
Bauherr
WEG

Wenn ein Haus über 120 Jahre alt ist und in den fünf Wohnungen Menschen leben und arbeiten, dann ist das für uns ein Zeichen, dass die Baumeister von damals vieles richtig gemacht haben. Diese Dinge nachhaltig weiterzuentwickeln, macht für uns Sinn. In diesem Fall handelt es sich um ein großherrschaftliches Anwesen mit fünf Einheiten mit je 350 qm Wohn- bzw. Nutzfläche.
Das Objekt wurde Mitte/Ende der 90er aufgeteilt und als Einzeleigentum verkauft. Der Bauträger bekam für die Modernisierung eine Medaille, das Haus wurde bezogen und es begann der Zerfall. Wir gehen davon aus, dass bei der Abnahme der Bauträgerleistung keiner mit Sachverstand sich Fassade und das Dach angeschaut hat.

Nicht einmal 20 Jahre später wurden wir beauftragt mit einer Untersuchung der Dachdeckung, der Blecharbeiten, der bauzeitlichen Bestandsfenster und der Fassade.
Das Ergebnis war für die Eigentümergemeinschaft nicht erfreulich, denn mit einem Invest von ca. 150.000 Euro mussten die Schäden, Baumängel und Baumängelfolgeschäden beseitigt werden.


Folgende Schadensgruppen und -typologien stellten wir fest:

1. Dachdeckung:

  • Nicht fachgerecht verlegte Grat und Ortgänge
  • Regelverstoß bei Biberdeckung bei Mindestdachneigung mit Wassereintritt
  • Andeckarbeiten an Kehle mangelhaft


2. Blecharbeiten

  • Fehlende Überstände an Verwahrungen
  • Mangelhafte Kehlausbildung
  • Hinterläufige Anschlüsse zwischen Blech und Holz mit Wassereintritt
  • Fehlende Verwahrungen auf Sandsteinzierwerk


3. Bauzeitliche Fenster

  • Kondensatbildung bei sanierten Kastenfenstern auf der Scheibeninnenseite
  • Mangelhafter Beschichtungsaufbau auf Altuntergründen


4. Sandsteinfassade

  • Offene Fugen durch fehlende Untergrundbehandlung


5. Schnitzwerk Erker und Türme

  • Fäulnisbildung der Schnitzwerke durch ungeeigneten Neuanstrich aus der Instandsetzungszeit
  • Materialzerstörung durch Wassereintritt durch nicht geplante Deckungs- und Blechanschlüsse


6. Klinkerfassade

  • Fehlende Schutzverfugung (wäre damals jemand auf das Dach gegangen, hätte das auch ein Laie gesehen)


Die Arbeiten wurden mit den örtlichen Behörden abgestimmt und die Instandsetzung detailliert geplant, je Schadensgruppe ausgeschrieben und durch ausgezeichnete Handwerker - die nicht nur nach dem Preis ausgesucht wurden - bearbeitet. Bezuschusst wurden lediglich die Zierschnitzereien am Eckturm mit 3.500 €. Unser Dank an die Hausverwaltung und an entscheidungsfreudige Eigentümer.

Unser Tipp: Wenn Sie Eigentum kaufen, lassen Sie das Gemeinschaftseigentum bei der Abnahme eigenverantwortlich anschauen.

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