Maßnahmen mussten ergriffen werden, um der historischen Architektur unter Denkmalschutz wieder frischen Glanz zu verleihen
Bauwerksanalyse & Instandsetzung der denkmalgeschützten Fassade eines Restaurants
006 Planungs- und Ausführungszeit 1996 - 1997, Nürnberg
Die „Etage“ – ein klangvoller Name in Nürnberg, wobei das Mühlengeklapper des 17. und 18. Jahrhunderts schon längst verklungen ist. Nachdem wir die Mühlengebäude Großweidenmühlstraße 11 saniert hatten, klingelte das Telefon und die Nachbarin schloss sich der Maßnahme an. Sie wollte „Dach und Fach“ in der Mühle Ihres Vaters, der bis in die 80er Jahre dort Müller war, in Stand gesetzt haben. Mehrere Maßnahmen mussten ergriffen werden, um der historischen Architektur unter Denkmalschutz wieder frischen Glanz zu verleihen.
Aktiverer Denkmalschutz ist notwendig - Historie muss ihre Spuren in Gebäuden hinterlassen
Gerüstaufbau im Wasser, Fachwerksanierung, Befallbeseitigung von tierischen und pflanzlichen Holzschädlingen im Dach, Einbau einer Restauranttreppe in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, die allerdings nicht verstanden haben, warum wir den Sandsteinsockel im unteren Bereich der Flussfassade zurückgesetzt haben. Wir denken, dass hier aktiverer Denkmalschutz notwendig ist, denn auch Historie muss ihre Spuren in Gebäuden hinterlassen und nicht den Eindruck von „schöner, heiler Welt“ vermitteln. Auch Gebäude besitzen Narben! Gerade solche, in denen jahrhundertelang gearbeitet wurde wie in unserer historischen Mühle.
In dem Stadtteil St. Johannis gibt es die Großweidenmühle, die eigentlich Großweidenmühlen heißen müssen, denn es waren seit hunderten von Jahren einige. Die letzte, unser hier beschriebenes Projekt, ging 1967 vom Strom. Vom Bombenhagel verschont, immer in Familienbesitz, besitzt das Gebäude so viel Raum für nachhaltiges Bewirtschaften und soziokulturelle Gedanken:
- Es geht nicht um Gewinnmaximierung
- Es geht nicht um Aufteilen und Verkaufen
- Es geht nicht um Abwirtschaften
- Es geht eher um Bewahren und Sichern und Gedenken mit sinnvoller Bewirtschaftung.
Der Auftrag: Bauwerksanalyse der 300 Jahren alten Mühle
So wurden wir beauftragt mit einer Bauwerksanalyse der 300 Jahren alten Mühle mit dem Schwerpunkt der inneren Erschließung, der Fassade und der Dachkonstruktion mit Dachdeckung. Diese Ergebnisse wurden den Erben und der Besitzerfamilie vorgelegt, die dann das Konzept genehmigten.
Das Projekt hatte eine größere Schwierigkeit: wie gehen wir mit den Spuren der industriellen Nutzung auf der Flussseite um, das heißt die Verletzungen und Störungen der Fassade, die durch die historischen Mühlräder entstanden sind. Diese Fehlstellen konnten erst entdeckt werden, als das Gerüst im Fluss stand. Wir haben uns für das Sichtbarmachen und das kontextuale Sichern entschieden.
Das heißt, dem aufmerksamen Betrachter fallen die Vertiefungen auf der Flussseite im Sockel auf. Hier ist die Instandsetzung des Sockelmotives so durchgeführt, das die Vertiefungen die Auflagerstellen der Wehrkonstruktionen der Schaufelräder zeigen. Dem aufmerksamsten Betrachter zeigt sich eine runde Kupfereinfassung in der untersten Fachwerkschwelle am Übergang zum massiven Sockel. Hier befand sich der Durchgang der Welle der Schaufelräder in das Innere des Gebäudes.
Fazit
Die Fachwerkfassade am Fluss ist nicht gedämmt, die Fenster sind einfachverglast mit inneren Winterfenstern, die neue Innentreppe ist aus Eiche und die neuen Gauben besitzen kittverglaste Fenster. Der Pächter, der das Lokal betreibt, führt es seit 30 Jahren. Mal ist es kalt, mal warm im Inneren und niemanden störte das bis jetzt.
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