Künstler und Gourmets in der alten Kunstmühle

Ateliers und ein Restaurant am Pegnitzufer

Neues Leben in der alten Mühle: Künstler und Gourmets sollen sich bald in den Gemäuern an der Großeweidenmühlstraße treffen, wo bis vor 30 Jahren ein Müller wohnte und arbeitete.

Jahrelang wirkten die beiden Gebäude mit den Hausnummern 9 und 11 wie ein Fremdkörper in der Straße: Während nebenan die Altbauten teuer saniert und neue, luxuriöse Appartementhäuser hochgezogen wurden, fragten sich Passanten, wann die Fensterläden der Fehn´schen Kunstmühle wieder geöffnet würden.

Inzwischen sind die breiten Holztüren wieder auf, allerdings vorerst nur für Handwerker, die das Gebäude sanieren: Dann ziehen ins alte Wohnhaus Künstler ein. Die benachbarte Mühle wird (wieder) als Restaurant genutzt.

Bei Müllerswitwe Elsa Fehn (83) wird während der Sanierung des Hauses manche Erinnerung geweckt. 55 Jahre hat sie in dem Anwesen gewohnt. Bis 1967 betrieb ihr Mann die Mühle – Georg Fehn (1908-1985) war der letzte Nürnberger Müller. Von ihm weiß Elsa Fehn, warum die Türen so auffällig breit sind: Standesgemäß besaßen frühere Müllergenerationen eine Kutsche, die in der Waschküche im Erdgeschoss regelmäßig geputzt wurde.

Erinnerungsträchtig sind Mühle und Wohnhaus auch, weil die jetzigen Besitzer – Müllerstochter Uta Fehn und Immobilienhändler Volker Koch – die beiden Häuser konservieren, aber nicht modernisieren lassen. Üblicherweise werden Altbauten heute entkernt; nur die Fassade bleibt stehen; im Innern entsteht in Leichtbauweise eine neue Raumaufteilung.

Anders an der Großweidenmühlstraße: Die architektonischen Feinheiten bleiben bis ins Detail erhalten: Manches  morsche Fenster musste vom Schreiner originalgetreu ersetzt werden. Weichholzbalken und -bretter des Balkons über der Pegnitz waren angefault und wurden ausgewechselt. Das frische, helle Holz wird in wenigen Jahren das Grau der historischen Bausubstanz bekommen. Einziehen sollten einmal Künstler und eine Galerie.

Architekt Mathias Hennig, der sich auf Altbauten in St. Johannis spezialisiert hat, konserviert auch manches scheinbar mangelhafte Detail. Zum Beispiel sind an der Flussseite deutlich die schadhaften Stellen zu sehen, wo einst die Mühlräder montiert waren. „Das soll so bleiben“, entschieden Architekten und Eigentümer, die auch einen Wandanstrich erhalten möchten, der aus der Zeit des Hausbaus um 1865 stammt. Im ehemaligen Schlafzimmer der Müllerstochter hatte sich ein Maler über der Wandvertäfelung mit Ornamenten und aufgemalten Säulen verewigt.

„Die Leute gehen recht behutsam mit der Geschichte des Hauses um“, lobt Müllerswitwe Elsa Fehn, die bis vor zwei Jahren im Wohnhaus lebte, bevor sie ins Seniorenstift an der Bingstraße umzog.

Als sie beim Richtfest den Mühlenraum betrat, konnte sie sich leicht in jene Zeiten zurückversetzt fühlen, als ihr Mann die von Wasserkraft gespeiste Mühle führte. Im Boden sind noch die Zuführungen des Wehrarms zu sehen, des Balkens am Wasserrad, der die Kraft auf die Mühlengetriebe übertrug. Im Obergeschoss hängen noch die hölzernen Schächte fürs Korn.

Nostalgie pur: An der Wand hängt der unaufgeräumte Werkzeugschrank des Müllers. Elsa Fehn fand darin beim Richtfest sogar noch eine Blechschablone für die Beschriftung von Mehlsäcken: „J. Gg. Fehn´s Kunstmühle Nürnberg.“

110 Jahre war der Betrieb unter dem Namen Fehn eingetragen. Mühlengründer war der Großvater des letzten Müllers. Johann Georg Fehn (1816 bis 1896). Er war von der heutigen Sartorius-Mühle in Hersbruck 1864 nach Nürnberg gekommen und baute einen eigenen Betrieb auf.

Der Hersbrucker zog damals in ein Mühlenviertel: Mit Wasserkraft wurden auch Hammerwerke betrieben, ein paar Häuser weiter vermahlte der Bleistiftfabrikant Föscheis („Lyra“) eine Graphit-Tonmischung für seine Produkte.

Dutzende Wasserräder holten aus der Pegnitz die Energie für die Betriebe – alte Bilder zeigen die Idylle der über den Fluss gebauten Häuser, in denen sich die Räder drehten.

Der letzte Müller sah das nüchterner, als es romantische Postkartenmotive vorgaukeln: „Die Pegnitz war in harten Wintern stellenweise ganz zugefroren, und dann musste man unbedingt weiterarbeiten, sonst wäre das ganze Rad eingefroren.“

Quelle: Nürnberger Anzeiger, Lorenz Bomhard

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