Dürers Triumphzug

Ungewöhnliches Projekt im Rathaus Nürnberg geplant

In den historischen Nürnberger Rathaussaal soll mit „Dürers Triumphzug“ der alte Glanz zurückkehren – zumindest für kurze Zeit und mit Hilfe modernster Technik.

Eine nüchterne Wand mit bunter Geschichte: An der 40 Meter langen fensterlosen Nordflanke des historischen Rathaussaals, wo heute weißer Putz aufgetragen ist, prangte einst Dürers Werk im XXL-Format. Das Fresko auf güldenem Grund nach Entwürfen des Meisters (1471-1528)zeigte den „Triumphzug Kaiser Maximilians I.“, die „Verleumdung des Apelles“ und Musiker im „Pfeifer-Stuhl“.

1520/21 erhielt Dürer den Auftrag vom Rat der Stadt. Der Meister war entwerfender Künstler und planender Organisator des Großprojektes im Mitte des 14. Jahrhunderts erbauten Rathaus. Dass er selber aufs Gerüst stieg, ist unwahrscheinlich. „Er war ja doch schon ein alter Mann. Aber man kann nicht ausschließen, dass er bei heiklen Stellen auch selbst Hand angelegt hat“, erklärt Thomas Schauerte, Leiter des Dürer-Hauses.

Heikle Stellen zeigten sich auch relativ rasch nach der Fertigstellung: Kerzenruß und Tageslicht setzten den Farben zu, so dass der Saal 100 Jahre nach seiner Ausgestaltung komplett restauriert werden musste. Der Rat legte aber umsichtig fest: Die von Dürer entworfenen Szenen sind für spätere Generationen zu erhalten. Eine Maßgabe, an die man sich auch bei der erneuten Renovierung 1904/05 hielt. Aber viele Generationen sollten den Prachtsaal danach nicht mehr zu Gesicht bekommen: Im Zweiten Weltkrieg brannte er bis auf die Grundmauern ab, die Wandbemalung wurde unwiederbringlich zerstört.

„Der Saal war vor dem Krieg eine der größten Sehenswürdigkeiten hier“, betont Projektleiterin Annekathrin Fries vom Kulturreferat. Zumindest ein Wochenende lang will ihn die Stadt auch wieder dazu machen: Vom 3. bis 5. August 2012 wird eine Projektion die Malereien Dürers an die Wand werfen, der ansonsten für das Publikum geschlossene Saal geöffnet sein und eine Ausstellung die Veränderungen seit der Dürerzeit dokumentieren – inklusive der Debatte um die Neubemalung durch Michael Mathias Prechtl in den 1980er Jahren.

„Ein Phantom“

„Das ist wie die Annäherung an ein Phantom. Es handelt sich um Dürers größten Auftrag, der aber am wenigsten erforscht ist“, sagt Fries, die das Thema seit Monaten recherchiert. Fündig wurde sie in den städtischen Kunstdepots dank der dort laufenden Generalrevision. Über die Jahrzehnte unbeachtet lagen dort 14 Fresko-Stücke, die bei der Sanierung 1904/05 – im Zustand der Bemalung von 1621 unmittelbar nach der ersten Renovierung – abgenommen worden waren. Die meisten davon sind in kläglichem Zustand, sollen aber bis zur Ausstellung restauriert werden. „Im Moment ist nur ein Fresko transportabel“, sagt Ursula Kubach-Reutter, zuständig für die städtische Kunstsammlung.

Besser erhalten sind die 109 Freskoteile, die Restauratoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorausschauend und originalgetreu kopiert hatten, um die Malerei im Falle eines Falles rekonstruieren zu können. Auch sie werden ausgestellt. Und nebenan soll das Geschäft von Agnes Dürer gepflegt werden: Sie hatte unterhalb des Rathaussaales Druckgrafiken des Gatten feilgeboten. Beim Aktionswochenende wird die Ehrenhalle deshalb zur Kunstmesse.

Zum Nürnberger Dürer-Schwerpunkt 2012 gehört auch die Umgestaltung des Dürerhauses. „Es soll zum Museum werden“, sagt Matthias Henkel, Chef der städtischen Museen. Im Juni wird der dann vom Kino- zum Kunstsaal umgebaute Raum wiedereröffnet – mit herausragenden Dürer-Kopien aus allen Jahrhunderten. Das von Kulturreferentin Julia Lehner ausgerufene „kleine“ Dürerjahr der Stadt flankiert die große Schau im Germanischen Nationalmuseum, die am 24. Mai beginnt.

Quelle: Nürnberger Nachrichten, Donnerstag, 24.11.2011, Seite 6

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