Die Crème de la Crème ging ein und aus

„Gesellschaft Museum“ ist 200 Jahre alt: Der elitäre Klub wandelte sich zum Verein, der allen offen steht

Ludwig I. und Königin Therese waren zu Gast, Clara Schumann spielte für die Mitglieder Klavier, zu denen zum Beispiel Friedrich Hegel gehörte: In der „Gesellschaft Museum“ verkehrte die Crème de la Crème der Gesellschaft. Am Wochenende feierte die Vereinigung ihren 200. Geburtstag.

Ein prächtiges Treppenhaus mit Stuckornamenten, hohe Räume mit hölzernen Kassettendecken, gediegene Parkettböden - „das ist richtig exklusiv“, schwärmt eine Frau aus Neuselsbrunn. Das heutige Domizil der „Gesellschaft Museum“, die Villa an der Campestraße 10 in St. Johannis, lässt etwas von der elitären Aura erahnen, die die Vereinigung nach ihrer Gründung im Oktober 1810 umgeben haben muss. 200 Jahre später schlendern Nachbarn und Neugierige durch das sanierte Haus im Stil eines Rokokoschlösschens. Es beherbergt heute Bridge-Räume der Gesellschaft, eine Tanzschule, eine Rechtsanwaltskanzlei und ein Architekturbüro.

Vom damaligen Selbstverständnis, ein elitärer Klub für die höheren Stände zu sein, ist die von der geschlossenen Gesellschaft zum Verein mutierte Vereinigung heute weit entfernt. „Jeder kann in den Verein“, sagt der Vorsitzende Peter Link. Die rund 320 Mitglieder gehörten zur „gutbürgerlichen Mittelschicht“. Link, ehemaliger Polizei-Vizepräsident und ein Freund klarer Worte, macht dann doch eine Einschränkung. „Jemand, der sich beim Essen mit der Gabel hinterm Ohr kratzt, wird Anstoß erregen.“

Den Gründern schwebte ein Gesellschaftshaus vor, in denen die „gehobenen Stände“ die schönen Musen, daher der Name „Museum“, pflegen sollten. Bildung und Geselligkeit standen oben auf der Skala. Es wurde diskutiert, gespielt, getanzt. Politik war dagegen tabu. Außerdem sahen die Statuten der Gesellschaft vor, dass sich jeder „friedliebende Mann … aller Ruhe und Eintracht störender leidenschaftlicher und zanksüchtiger Äußerungen enthalten“ sollte. Soweit die Theorie. „Die Bälle der Gesellschaft waren legendär“, schreibt Peter Link in seinem „Streifzug durch die Vereinsgeschichte“. Nicht nur, weil es zwischen Studenten und Offizieren regelmäßig zu Scharmützeln kam, die „sogar zu Duellen im Wald bei Tennenlohe“ führten.

Von ihrer Gründung bis zur Bombennacht im Januar 1945 hatte die Gesellschaft ihr Domizil in der Königstraße 1. Das Haus war mit einem Lesekabinett, Spielzimmer und einem Tanzsaal ausgestattet. Das Who´s who der Nürnberger Gesellschaft sei dort ein- und ausgegangen, schwärmt Link. „Zweimal widerfuhr dem Museum die hohe Ehre, dass das bayerische Königspaar, Ludwig I. und Königin Therese einem Festball beizuwohnen geruhte“, verkündet der Verein stolz auf seiner Internetseite.

„Wunderbar renoviert“

Seit 1955 ist die Villa in der Campestraße, die der jüdische Bankier Emil Kohn 1898/99 für seine Familie hatte bauen lassen, im Besitz des Vereins. Der Verein investierte rund zwei Millionen Euro in die Sanierung. „Das Haus ist wunderbar renoviert“, schreibt Günther Beckstein, Ministerpräsident a. D., am Tag der offenen Tür ins Gästebuch. Um diesen finanziellen Kraftakt überhaupt stemmen zu können, wurde die Hälfte des Grundstücks 1999 zur Bebauung in Erbpacht an einen Immobilienentwickler übergeben. Heute grenzt die architektonisch umstrittene Wohnanlage „Campepark“ an die historischen Mauern.

Der Großteil der Villa ist vermietet. Der Verein trifft sich im Souterrain. Ein Bridge-Tisch reiht sich an den anderen. Bridge ist heute ein Standbein des Vereins, das andere ist die Tennis-Abteilung. Außerdem werden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen oder Ausflüge organisiert. Die Tradition, sich um der Diskussion Willen zu treffen, ließ sich nicht retten. „Das Interesse daran ist relativ gering“, so Harro Imendörffer, Vize-Vorsitzender.

Imendörffer und Link führen den Verein gemeinsam seit 20 Jahren. Ein Gespann der Gegensätze. „Ich bin der, der die Sprüche klopft. Und er pfeift mich dann zurück“, sagt Link und lacht.

Quelle: Nürnberger Nachrichten

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