„Der Platz funktioniert, schaut aber nicht gut aus!“

Umbau ist fertig: Architekten beurteilen die Sanierung

Nürnberg - Böses Erwachen in der Nordstadt: Jetzt ist der Traum vom idyllischen Friedrich-Ebert-Platz endgültig geplatzt. Kaum ist die Baustelle gewichen, schimpfen Anwohner über das „graue Elend“ oder den „Architekten-Irrsinn“. Die meiste Kritik hagelt auf die wuchtigen Beton-Glas-bauten an den U-Bahn-Aufgängen – vor allem auch von Architekten.

„Pubertäre Post-Architektur“, nennt es Stadtrat und Architekt Joachim Thiel (CSU). ER findet den neuen Platz „grauenhaft“. Und steht damit nicht allein da. „Im Stadtrat war man sich parteiübergreifend einig über die vertane Chance“, so der Stadtrat. „Der Ebert-Platz ist in die Hose gegangen.“

Von einem misslungenen Platz will das städtische Baureferat nichts wissen. Vielmehr lobt Behördensprecher Johannes Hinnecke „die gute Planung und Ausführung“. Er räumt aber ein, dass die Gestaltung nicht allen gefalle: „Einige dachten, es entstünde ein schöner Platz mit viel Aufenthaltsqualität und wenig Verkehr.“ Doch durch die enge Rahmenbedingungen sei das schlicht unmöglich.

„Der Verkehrsfluss steht im Vordergrund“, erklärt Mathias Kreibich. Der Anwohner urteilt auch als unbeteiligter Architekt. „Der Ebert-Platz ist wie eine Leiterplatte voller Funktionen“, vergleicht Kreibich. Auf engstem Raum müssen hier Straßenbahnen, Busse, Autos, Fahrräder, Fußgänger kreuzen. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember kommt die U 3 hinzu. „Das ist wie bei Gummistiefeln: Der Platz funktioniert, sieht aber nicht gut aus.“ So sind etwa Verkehrszonen . mit dunklem Asphalt – klar vom hellen Ruhebereichen getrennt.

„Bei der Oberflächen-Gestaltung hätte es durchaus andere Lösungen gegeben“, so Kreibich. Die Aufgänge müssten nicht aus Beton sein. Kritisch sieht er auch den Kastenbau nahe der Archivstraße. „Er ist nicht an den Platz angepasst, sondern an die Gastro-Kette.“

Einmal gebaut, seien die Korrektur-Optionen begrenzt: „Ein Architekt hat nur eine Chance“, so Kreibich. Deshalb hätte die Planung von Anfang an anders laufen müssen, prangert Kollege Thiel an, „eben nicht von unten nach oben“. Wohin die Vorgehensweise führe, erst die U-Bahn und den Rest zu planen, zeige der Platz. Thiel plädiert für Architekten-Wettbewerbe mit Bürgerbeteiligung, wie am Nelson-Mandela-Platz. Das könnte Entrüstungstürme bei den Anwohnern bremsen – und vor allem weitere Beton-Mahnmale verhindern.

Quelle: AZ Nürnberg, Donnerstag, 15.09.2011

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